Montag, 2. Mai 2016

Apulien - 6 spannende Orte


Vier Tage fahren wir durch die Mitte Apuliens 

Vor Erschöpfung fallen wir jeden Abend ins Bett. So ist dieser Post, liebe Mitreisende, länger als sonst - nehmt euch etwas Zeit für diese Entdeckungsreise!

Durch eine flache Landschaft geht es an unendlichen Olivenhainen vorbei.
Seit wir in Gallipoli waren, verstehen wir die riesigen Anpflanzungen, die einst die Lampenölversorgung Europas sicherstellte. Den Bäumen sieht man an, wie alt sie sind.


1. Halt: Grottaglie

Stadt der Keramik

























Seit Urzeiten wird hier Keramik hergestellt. Wir halten bei einer Töpferwerkstatt und sehen später, dass in jedem 2. Haus eine untergebracht ist. Sie arbeiten alle noch mit der Hand.






















Auch hier gibt es eine Burg.




Wir aber finden ein wunderbares Restaurant. so gestärkt, geht es weiter nach Massafra.




Massafra

Beginn der Höhlenkirchen und -wohnungen


Als erstes suchen wir den vorgeschlagenen Übernachtungsplatz oberhalb der Pilgerkirche Maria delle Scala. 
- Ein großer Parkplatz, aber er ist überfüllt.
, obwohl die Kirche sonst nur vormittags geöffnet hat.
Wir steigen die vielen Stufen hinab und finden heraus, dass 

Bischof Favale auf seiner Tour eine große Messe hält. Die Kirche ist voll. Der Kirchendiener ordnet uns gleich richtig als ungläubig und kultursüchtig ein und schließt uns die uralte Felsenkirche auf, die sich gegenüber der herausgeputzten (und mit Fahrstuhl versehenen) Maria delle Scala befindet.










Felsenkirchen datieren wir ins 1. Jahrtausend n. Chr.
Es gab Bilderstürmer, die gegen die Abbildung von Gott und Christus Sturm liefen und Bilder zerstörten. Geistliche zogen sich in die natürlichen, zum Teil schon in der Steinzeit benutzten, Höhlen zurück.



























Zum Teil wurden diese Höhlen noch bis in die 1960er Jahre bewohnt.
Die Stadt Massafra entstand oberhalb der Höhlen zwischen 2 Schluchten. 

Die Stadt, die über den Höhlen entstanden ist.
Am spitzen Zusammenlauf der Schluchten liegt eine massive Burg.

Im Hintergrund der Turm des Duomo



















Wir hören Gesang aus einem Lautsprecher. Ein Muezzin?



Nein - wir kennen es schon aus anderen Orten: wenn es laut durch die engen Gassen schallt, ist es der Gemüsehändler!




Weiter geht es durch wunderschöne Blumenwiesen zur 

 Auf etwa 1000 qkm der Murge (Kalkhochebene), in die wir jetzt eintauchen, finden sich tausende Häuschen und Türme aus Lesesteinen.
Wir kennen ähnliche aus Frankreich, sie heißen dort Borries. Aber die Geschichte ist eine andere:
Alberobello








Ihren Ursprung hat die Bauweise im 17 Jh., als der gewitzte Graf Giangirolam Acquavista die Steuern, die er dem Lehnsherrn für gemauerte Häuser zu zahlen hatte, umgehen wollte.




Heute sind die doch unkonfortablen Häuser jener Zeit eine Touristenattraktion like Disneyland. 











Geziert werden die Dächer mit einem cippo mit besonderer Bedeutung.



Weiter geht es auf der karstigen Hochebene zwischen Landgütern - Masseria - nach 


Matera,

Höhepunkt für Höhlenforscher




Unser Stellplatz, Masseria Radogna, liegt in einer Zona archeologica. Fußläufig liegt eine archäologische Besonderheit, die bisher keiner erklären konnte.




Wir trauen uns nicht, ins Loch hinab zu steigen. 

Ein Busshuttle bringt uns vom Stellplatz nach Matera und holt uns 6 Stunden wieder ab.
Matera
Ähnlich wie in Massafra lebten bereits in der Steinzeit Menschen in den Tuffsteinhöhlen, später byzantinische Priester und Mönche.

Aber anders als in Massafra
ließ sich später die Bevölkerung in den billig zu erstellenden Höhlen nieder und baute sie aus. Mit der immer dichteren Besiedlung eskalierte die gesundheitliche und hygienische Situation.
In den 1930ern machte der von Mussolini verbannte Schriftsteller Carlo Levi in seinem Buch "Christus kam nur bis Eboli" auf die Zustände aufmerksam.
Aber erst Mitte des 20.Jahrhunderts galt es als Kulturschande, dass in Italien Menschen noch in Höhlen lebten. - Die Bewohner wurden umgesiedelt und die "Sassi" (Steine) wurden zum Unesco Kulturerbe.

Unser Rundgang führt uns in eine der ersten hergerichteten alten Kirchen mit Wohnräumen auf drei Ebenen.





Unter Ausnutzung der natürlichen Hohlräume wurden Pfeiler, Nischen und Verzierungen in den Fels gehauen.
Deckenverzierung 





Wir finden Kellerbecken, Zisternen, Küchennischen...

Regelmäßig finden hier Kunstausstellungen statt.
Zahllose Filme wurden hier gedreht. 
Mel Gibson drehte die Außenszenen von  "Die Passion Christi" in der Materaschlucht.

Der Touristenrummel ist groß. Vielleicht hilft es den Künstlern, die die Sassi neu besiedeln.


Die Felsenkirche, für die der Felsen ausgehöhlt wurde.
in der Felsenkirche



Unser Rundgang geht weiter ins Zentrum auf dem Hügel: prächtige öffentliche Gebäude und Plätze.



Das Duomo ist groß ausgebaut - Matura ist Sitz eines Erzbischofs. In einer kleinen Ecke finden wir die alten Überreste.




















Etwas erschrocken finden wir die Chiesa del Purgatorio, die Fegefeuerkirche:


















Erschöpft entdecken wir noch bei unserer Mittagspause eine weitere Besonderheit der Materaschlucht: die Rötelfalken



Auf italienisch Grillenfalken genannt, befreien sie die Stadt von den Heuschrecken. Links das Weibchen, rechts das Männchen. Unter den Ziegeln und in Höhlen brüten sie und ziehen im Winter in die afrikanische Savanne.

--- Für unser Frühstück am nächsten Tag wollten wir

nur 6 Eier...

Aus diesem Wunsch wurde ein höchstinteressanter, anstrengender Tagesausflug.



Angelo, der Farmer, erklärt uns zuerst, dass seine glücklichen Hühner die Eier für die wunderbare Pasta legen, die er herstellt.

Er zückt sein Handy mit dem Googleübersetzer und mit metallischer Computerstimme fragt er, ob wir noch Zeit und Lust hätten, mehr über seine wunderschöne Heimat zu erfahren.

Mit unserem Auto und ihm als Guide sehen wir, was Touristen sonst nicht zu sehen bekommen.



Auf der anderen Seite der Schlucht erklimmen wir eine ganze Höhlenstadt. Wir erfahren, wo das Oberhaupt wohnte und wie die Wasserversorgung funktionierte.


Wir finden Wacholderbeeren, die Uräpfel und -birnen und viele Heilkräuter.

Wir klettern auf Abhänge in schwindelnder Höhe, findet uns auf dem großen Bild unten!
Aber gegen die Magenschmerzen haben wir ja rute gefunden...



Meine spärlichen Italienischkenntnisse helfen aber doch die Übersetzung aus dem Italienischen zu verstehen.


Vorbei an den Weizenfeldern für die gute Pasta und die Gerste für das Bier fahren wir zu einem See. Weit und breit kein Mensch.

Der Abschluss unseres Ausflugs ist ein griechischer Friedhof auf dem höchsten der drei Berge Materas. 

Matera im Hintergrund, vorne eine der neu entstandenen Siedlungen für die Sassibewohner.







Ein schmaler Fahrweg führte zu der Kapelle und der alten Ausgrabung hinauf.

Nach griechischer Mythologie sollten hier oben die Seelen der Verstorbenen dem Himmel nahe sein. 

Aus Platzmangel verbrannte man die Toten. Die Grabbeigaben wurden gestohlen...


 Sehr beeindruckt verlassen wir Matera und fahren nach 





"Campobello"



"Maria, ihm schmeckt's nicht", heißt einer unserer Lieblingsfilme. Campobello ist Gravina in Puglia und liegt nicht ganz zufällig auf unserem Weg.

Nach unserem Ausflug mit Angelo traut sich Burkhard auch bis einen Meter an den Abgrund. Auf einer Felsplatte gegenüber der Stadt ist unser Schlafplatz!
Zu unserer Freude gesellen sich noch Hans und Birgit aus Reutlingen dazu und wir genießen den lokalen Wein mit bester Aussicht.









Die Brücke aus dem Film ist nur im Film befahrbar.





Am nächsten Morgen regnet es und wir ziehen weiter...

... zum Castel des Monte

 Die geheimnisvolle Burg, die man schon von Weitem sieht: 
eine Burg ohne Küche, ohne Stallungen und Festungsgraben.
Diese Burg von 1240 ist, finden wir, ein Kunstobjekt. Friedrich II, der schon mit 3 Jahren König und mit 14 J. volljährig wurde, war ein äußerst Kluger und seiner Zeit weit voraus.











Das Achteck - Oktogon - mit achteckigen Türmen hat der kluge Friedrich aus Marmor bauen lassen, weshalb es noch steht.
Alles folgt dem goldenen Schnitt.

Eingang

















Kamine in jedem der oberen Räume
Kreuzgewölbe

Treppenhaus
























Die vollkommene Architektur -
die reine Kunst!

1 Kommentar:

  1. wir reisen mit ! Zu schöne Eindrücke!
    Hildeg.

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